26.01.2013

Der Download von E-Books im Internet


Wann mache ich mich auf Tauschbörsen, Filesharingseiten
& Co. strafbar?

Auf Grund der Digitalisierung existieren im Internet zahlreiche textbasierte Informationen. Dabei ist die Vielfalt der Formate an elektronischen Büchern und technischen Lesegeräten ebenso groß wie die Plattformen, auf denen diese angeboten werden. Marktbeherrschend im Verkaufssegment der elektronischen Bücher sind dabei die Produzenten: Autoren und Verlage bieten E-Books über ihre eigenen Webseiten an, aber auch die E-Book-Shops der Lesegeräte-Hersteller, wie Sony oder Amazon, sind bei Kunden sehr beliebt. Dazu kommen zahlreiche unabhängige Shops, die E-Books verkaufen. Zusätzlich können die Leser auf Tauschbörsen, Filesharingseiten, Open Content & Co. zurückgreifen. Auf der Suche nach neuer interessanter Literatur werden ehrliche Kunden immer wieder mit einer entscheidenden Frage konfrontiert: Wann mache ich mich beim Download von E-Books im Internet strafbar? Ein Podcast von bit eXpress analysiert dieses Problem.

Das Campusradion bit eXpress ist ein digitales Uniradio der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS. Bettina Schari von der bit eXpress Service-Redaktion untersucht im Podcast „Bit eXpress Beitrag Urheberrecht“ die Probleme von digitalisierten Inhalten im Internet und worauf ehrliche Nutzer achten müssen. Unterstützung erhält sie von dem Juristen Til Kreuzer, Mitbegründer des Internetportals iRights.info und Experte bzgl. rechtlicher Fragen zu Urheberrecht und Datenschutz.



 

Inhalt des Podcasts
 

Leicht verständlich und aus einer Studentenperspektive beschäftigt sich Moderatorin Bettina Schari im obigen Podcast mit den Tücken digitaler Inhalte für unerfahrene Nutzer. Zunächst erklärt sie, was Urheberrecht eigentlich bedeutet: „Das Urheberrecht dient in erster Linie dem Schutz der Urheber schöpferischer Werke von Literatur, Wissenschaft und Kunst. Allein der Urheber entscheidet, ob und wie sein Werk veröffentlicht oder verwertet wird“. Diese sog. Verwertungsrechte umfassen lt. §§ 15-22 UrhG das Vervielfältigen und Verbreiten von E-Books im Internet (vgl. UrhG vom 09.09.1965 BGBI. I S. 1273). Schari weist die unerfahrenen Leser deshalb im Podcast darauf hin, dass auch E-Books dem Urheber gehören und er deren Vergütung verlangen kann – auch von unwissenden Nutzern, die sie widerrechtlich kopieren und verbreiten.

Rechtsanwalt Til Kreuzer wird anschließend konkreter und erklärt die Konsequenzen einer illegalen Nutzung und Verbreitung von E-Books: Tauschbörsen, Filesharing-Programme und BitTorrents zeigen die IP-Adresse des Internetanschlusses an. Uploader und Downloader von E-Books werden eindeutig identifiziert und müssen die (rechtlichen) Folgen tragen – auch wenn sie die E-Books unwissentlich illegal herunterluden. Privatpersonen, v. a. unerfahrene Jugendliche, erhalten folglich eine Abmahnung, d. h. ein Anwaltsschreiben, auf dessen Grundlage sie eine Erklärung unterschreiben und Geld bezahlen müssen. Laut Kreuzer können dies bereits 500‒600 Euro sein „für ganz kleine Vergehen, also wenn man nur einige wenige Dateien online gestellt hat.“


Die Position von Rechtsanwalt Til Kreuzer


Rechtsanwalt Til Kreuzer von iRights.info vertritt die Position des Gesetzgebers zum Urheberrecht: Traditionell wird in Deutschland davon ausgegangen, dass jeder, der geistiges Eigentum anderer Menschen nutzt, zunächst Informationen darüber einholt, was legal ist und was nicht. Relativierend erkennt Kreutzer im Podcast jedoch an: „Das ist natürlich eine sehr theoretische Überlegung, die in den meisten Fällen nicht aufgeht, weil das Urheberrecht extrem kompliziert ist.“


Neben den ehrlichen Nutzern, die aus Versehen illegale E-Books herunterladen, existiert eine weitere Gruppe: Uploader und Downloader, denen die Illegalität ihrer Aktionen im Internet bewusst ist und die trotz der zu erwartenden Folgen E-Books
illegal anbieten oder herunterladen. Experte Til Kreuzer hat wenig Verständnis für diese Gruppe, da sie nicht nur rechtliche Konsequenzen fürchten müssen: So existieren besonders auf illegalen Plattformen zahlreiche Trojaner, Schadsoftware u. a., die sich die Nutzer einfangen können. Neben den Urhebern schaden sie sich somit vor allen Dingen selbst. Dazu weist Kreuzer auf die umfangreichen legalen und häufig kostenlosen Angebote hin, die im Internet existieren und für jeden leicht verfügbar sind. Kreuzer bezieht damit die Position, dass ausreichend Open Content und legale Angebote der Urheber existieren, so dass (informierte) Nutzer gar nicht erst auf illegale Angebote zurückgreifen müssen. 

Insgesamt bevorzugt Rechtsanwalt Til Kreutzer eindeutig die Urheber, d. h. die Befürworter von Digital Rights Management (vgl. Blogpost 1). Für DRM als Schutz der Urheber spricht er sich aber nicht explizit aus, stattdessen nennt er sogar Open Content als kostengünstige und legale Alternative für das Kopieren und Verbreiten von E-Books. Kreuzer steht im Streit um DRM somit zwischen den Stühlen, tendiert jedoch stark zu den Urhebern. Aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf die Gegenargumente, die folglich allesamt von den Kunden stammen, speziell den illegalen Nutzern der E-Books.
 

Die Gegenargumente der illegalen Nutzer

Die Mehrzahl der Nutzer von E-Books verwendet legale Angebote bzw. lädt sie ggf. unwissentlich aus dem Internet herunter. Diese Gruppe ist daher für die Diskussion nicht relevant. Die Gegenargumente kommen vielmehr von illegalen Nutzern, die die urheberrechtlich geschützten E-Books wissentlich kopieren und verbreiten. Werden sie hierbei ertappt, ist ihr größtes Argument „Unwissenheit“: Sie wussten angeblich nicht, dass sie die Werke illegal herunterluden. Die Position kann schnell durch die deutsche Gesetzgebung bzw. das "Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte" entkräftet werden: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. 


Deshalb nennen illegale Nutzer vier weitere Argumente gegen die Position der Urheber bzw. von Rechtsanwalt Til Kreuzer, die unter dem Stichwort „Digital Rights Management“ zusammengefasst werden können: Erstens verändere das einschränkende DRM das Leseverhalten und bedeute somit das Ende der Leserevolution (vgl. Blogpost 2). Zweitens werde selbst der ehrliche Leser durch die Urheber, wie Verlage und Autoren, bereits im Vorfeld der Nutzung von E-Books durch das DRM kriminalisiert (vgl. Blogpost 3). Drittens seien die Nutzer gezwungen, illegale Angebote wie Tauschbörsen, Filesharingseiten & Co. zu verwenden, da wenige legale Alternativen existieren würden (vgl. ebd.). Viertens umgehen illegale Nutzer das DRM angeblich nur, um wieder die gleichen Rechte wie bei einem herkömmlichen Printbuch zu erhalten, d. h. Kopieren und Verbreiten von E-Books im Sinn einer Privatkopie (vgl. ebd.).

Eigene Position


Unbestreitbar ist, dass Digital Rights Management selbst ehrliche Leser stark in der Nutzung ihrer E-Books eingeschränkt. Allerdings können die vier Gegenargumente illegaler Nutzer leicht entkräftet werden: DRM ändert zwar das Leseverhalten, bedeutet jedoch nicht das Ende der Leserevolution. So besitzen die Leser immer noch Zugriff auf die Informationen, zudem bieten einige Verlage inzwischen ein „weicheres“, weniger restriktives DRM an. Dazu existieren inzwischen DRM-freie Angebote der Verlage, z. B. von Springer, O’Reilly und Tor/Forge. Das zweite Argument der Kriminalisierung des Lesers ist definitiv nachweisbar (vgl. Blogpost 3). Wie die Beispiele zeigen, scheint sich das fair use-Prinzip aber bei immer mehr Verlage und Autoren durchzusetzen. Deshalb ist nicht pauschal davon auszugehen, dass Leser von allen Urhebern kriminalisiert werden. Das dritte Gegenargument der illegalen Nutzer kann gänzlich entkräftet werden: Es existieren, wie auch Kreuzer erwähnt, zahlreiche Angebote der Verlage und Autoren sowie der legale und meist kostenlose Open Content, auf welche die Nutzer zurückgreifen können.


Das vierte Gegenargument sehe ich jedoch ähnlich: Bei legal (!) gekauften E-Books ist es verständlich, dass die Nutzer das DRM umgehen möchten, um die gleichen Rechte wie bei einem Printbuch zu besitzen. Das betrifft besonders das Kopieren des gekauften E-Books auf die verschiedenen eigenen Geräte wie den PC, Laptop und E-Reader: Wieso darf ich nur eine beschränkte Zahl an Kopien des legal gekauften E-Books anfertigen, wenn ich das gedruckte Buch überall mit hinnehmen kann? Wenn mein Computer abstürzt und die Daten verloren gehen, sind meine E-Books unwiderruflich verloren, obwohl ich sie legal kaufte. Wieso darf ich mir für diesen Fall keine Sicherungskopien machen? Bzgl. der Privatkopien würde ich mich deshalb dem letzten Argument anschließen ‒ allerdings unter Wahrung der Urheberrechte, d. h. keine Weitergabe der Kopien an andere Personen, egal ob offline an Freunde etc. oder online an Unbekannte. Zudem trete ich für eine Regelung dieser Grauzone ein, wobei Verlage und Autoren als Urheber in der Pflicht sind. Entweder ermöglichen sie eine höhere Zahl an Privatkopien für E-Books, da inzwischen jeder Nutzer eine Vielzahl an Endgeräten besitzt. Oder sie müssen ein „weiches“ DRM einführen, damit die Kunden nicht im Vorfeld kriminalisiert und in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt werden. Stattdessen sollten sie nach dem Prinzip des fair use die gleichen Rechte erhalten wie bei einem Printbuch.
 

Fazit

Die Digitalisierung führt zu einer Vielfalt an Informationen im Internet. Die Urheber, wie Verlage und Autoren, bieten ihre E-Books auf eigenen Webseiten an oder verkaufen sie über die E-Book-Shops der Lesegeräte-Hersteller bzw. auf sog. Open Content
-Plattformen. Darüber hinaus existieren illegale Plattformen, wie Tauschbörsen, Filesharingseiten & Co., welche unwissende ebenso wie unehrliche Lesern nutzen. Die Frage ist demnach: Wann ist der Download von E-Books im Internet strafbar? Der Uniradio-Podcast „Bit eXpress Beitrag Urheberrecht“ mit Moderatorin Bettina Schari sowie Til Kreuzer, Rechtsanwalt und Experte für Urheberrecht und Datenschutz, versucht dieses Problem inkl. der Konsequenzen für den Nutzer aufzuzeigen. Dabei vertritt Kreuzer die Position, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schütze: Jeder Nutzer von geistigem Eigentum anderer Menschen muss sich zunächst Informationen darüber einholen, was legal ist und was nicht. Darüber hinaus verurteilt er Leser, die illegal E-Books herunterladen. Diese wissen genau, was sie online machen. Zudem können sie zahlreiche legale, meist kostenfreie Angebote an Open Content nutzen, wenn sie nicht die kostenpflichtigen Angebote der Verlage, Autoren und E-Book-Shops bzw. das restriktive Digital Rights Management verwenden wollen. 

Insgesamt schließe ich mich der Position von Rechtsanwalt Til Kreuzer an ‒, der zwischen Urhebern und Kunden: Die Urheberrechte von Verlagen und Autoren müssen gewahrt bleiben. Allerdings sollten sie die Leser nicht im Vorfeld kriminalisieren und ehrliche Leser mit einem restriktiven DRM bestrafen. Mit dem fair use-Prinzip und einem „weicheren“ DRM besitzen sie genügend Mittel, um die Rechte an ihren Werken zu schützen ohne Kunden zu gängeln und in ihren Persönlichkeitsrechten zu beschneiden. Die Nutzer hingegen können ehrlich bleiben, wenn sie sich wie das Urheberrechtsgesetz besagt ‒ zunächst informieren sowie auf die legalen Angebote der Urheber und Open Content-Plattformen zurückgreifen. 

Quellen und Sammlungen zum Thema


Podcast
  • bit eXpress - Dein digitales Uniradio: "bit eXpress Beitrag Urheberrecht", hrsg. von Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen.
Ergänzende Literatur
  • Bundesministerium der Justiz (2013): Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechsgesetz ‒ UrhG) vom 09.09.1965 BGBI. I S. 1273, zuletzt geändert durch Art. 1 ÄndG. v. 14.12.2012 BGBI. I S. 2579, Gültigkeit ab 23.01.2013.
Ergänzende Onlinequellen, zuletzt geprüft am 26.01.2013

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